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Mai 16

Inflation besser verstehen

Jeder spricht davon. Doch die wenigsten kennen die Zusammenhänge zwischen einer Inflation und deren Wirkung auf die Wirtschaft. und die Menschen. Inflationäre Prozesse reichen vom Altertum über das Mittelalter bis in die heutige Zeit. In früherer Zeit zeigte sich eine Inflation an einem schrumpfenden Gold- und Silbergehalt der Münzen und heute in Form von Banknoten.

Die Kaufkraft der Banknoten ist aufgrund steigender Güterpreise rückläufig. Eine Silberinflation erlebte Spanien im 16. Jahrhundert. Die erste Papiergeldinflation entstand in Frankreich in den Jahren 1719 bis 1820 durch die von John Law, einem schottischen Bankier und Wirtschaftstheoretiker, verursachte Notenausgabe während der Französischen Revolution. Die USA erlebten Inflationen unter anderem im Unabhängigkeitskrieg und im Sezessionskrieg im Jahre 1861 bis 1865.

Inflation – Auswirkungen durch den Krieg

Zu gewaltigen Inflationen kam es im 20. Jahrhundert in fast allen kriegsführenden Staaten während und nach den beiden Weltkriegen. Im Deutschen Reich blieben die Verbraucherpreise nach der Reichsgründung bis zur Jahrhundertwende nahezu unverändert. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges stiegen die Verbraucherpreise nur wenig. Während und nach Beendigung des Krieges kam es zu einer rapiden Beschleunigung des Preisauftriebs.

Erst Ende 1923 wurde dieser durch eine neue Währungsordnung beendet. Während des Zweiten Weltkrieges kam es im Deutschen Reich zu einer zurückgestauten Inflation. Die massive Ausweitung der Staatsverschuldung bewirkte ein starkes Anschwellen der Geldbestände. Preiskontrollen verhinderten, dass sich dieses inflationäre Potenzial in Preisanhebungen entlud. Es kam zu Güterknappheit und Rationierungen. Der Geldüberhang führte nach dem Krieg dazu, dass das Geld seine Tauschmittelfunktion fast vollständig verlor. Der Tauschhandel begann zu blühen.

Die Währungsreform vom 21. 6. 1948 brachte das Ende dieser Entwicklung. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben die Preissteigerungen in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in Österreich und in der Schweiz auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Inflation und deren Bedeutung

Inflation heißt auf Lateinisch inflatio. Soviel wie sich aufblasen oder aufblähen. Eine Inflation wird als ein anhaltender Prozess der Geldentwertung definiert. Dieser Prozess findet seinen Ausdruck in einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Den Gegensatz zu einer Inflation nennt man Deflation. Gemessen am Anstieg des allgemeinen Preisniveaus spiegelt die Inflation den Preisindex der Verbraucher wieder. Ungewöhnliche oder einmalige Vorkommnisse, wie Streiks oder Missernten bedingt durch Dürreperioden oder Unwettern, zählen nicht zur Inflation.

Die Inflationsrate

Die Inflationsrate als Prozentzahl weicht von der absoluten Veränderung des Preisindex ab. Je nach Inflationstempo werden schleichende Inflation, beschleunigte Inflation und galoppierende Inflation unterschieden. Schleichende Inflation bedeutet relativ geringe jährliche Preissteigerungsraten von fünf bis zehn Prozent.

Bei der beschleunigten Inflation jährliche Preissteigerungsrate bis etwa 20 Prozent und bei der galoppierenden Inflation eine Preissteigerungsrate von über 50 Prozent. Diese wird als Hyperinflation bezeichnet. Das Inflationstempo bezeichnet die Geschwindigkeit beziehungsweise Stärke des Prozesses der Geldentwertung. Die Inflationsrate unterscheidet sich als Prozentzahl von der absoluten Veränderung des Preisindex. Steigt der Preisindex um zehn Indexpunkte von 200 auf 210, so ergibt sich eine Inflationsrate von fünf Prozent.

Der Inflationszyklus

Im Zeitablauf ergibt sich ein Inflationszyklus. Dieser Inflationstonzyklus entsteht aus den Änderungen des Tempos der Inflation. Er lässt sich in verschiedene Phasen einteilen. Die zunehmende Inflationsrate, die konstante Inflationsrate und die sinkende Inflationsrate. Diese Inflationsraten sind Ausprägungen einer sogenannten offenen Inflation (statistisch ausgewiesene Preisinflation).

Bei staatlichen Eingriffen wie Lohn- und Preisstopps, Rationierungen oder Kapitalmarkt- und Devisenkontrollen entsteht eine versteckte Inflation (zurückgestaute Inflation). Damit werden zwar Steigerungen des Preisindex verhindert, die eigentlichen Ursachen einer Inflation jedoch nicht beseitigt. Als Kassenhaltungsinflation wird die versteckte Inflation bezeichnet. Das im Verhältnis zur Geldmenge zu geringe Güterangebot führt dabei zu einer nicht erwünschten Erhöhung der Kassenhaltung bei den Wirtschaftssubjekten.

 

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