Monatsarchiv: Juli 2014

Jul 10

Wer hat den Durchblick ?

Grafik © Diana Schmidtbauer

Grafik © Diana Schmidtbauer

Donnerstagmittag, ich bin geneigt den Stift aus der Hand zu legen. Das Wochenende naht mit riesigen Schritten. Eine Woche voller Emotionen, erledigter und unerledigter Aufgaben, Freude und Leid.

Manchmal hab ich das Gefühl die Zeit schreitet nicht, sondern rast schneller als ein ICE. Ok, die ICE s der Bahn sind im Vergleich dazu eher lahm. Die Bahn wird wohl wie immer pünktlich ihre Preise erhöhen. Warum eigentlich ? Die Züge werden nicht schneller und der Service nicht besser. Wird wohl an der herangaloppierenden oder eher bereits bestehenden Inflation liegen oder den mehr als unsicheren Zeiten. Prophylaktisch werden der Einfachheit halber die Preise erhöht. Und das nicht nur bei der Bahn.

Der kürzlich beschlossene Hungerlohn, sorry Mindestlohn von 8,50 Euro schafft diese sicher auch ganz bequem. Das Resultat des Wochenendeinkaufes treibt mittlerweile den meisten Krokodils Tränen in die Augen. Der Korb halb leer und ebenso das Portemonnaie. Aber wir wollen uns mal nicht beschweren. Immerhin bekommen ein paar wenige etwas vom durchgeprügelten Mindestlohn ab. Natürlich nicht die welche sich ein halbes Jahr in diversen Unternehmen abmühen um abschließend in die Mindestlohnausnahmenfalle zu rutschen.

Diese besagt, dass wer Langzeitarbeitslos ist, und das Wort wird wohl bald neu definiert, erst nach sechs Monatigen Kennenlernens im Unternehmen einen Mindestlohn erhält. Zu dumm, das viel Unternehmen sich dann doch für den nächsten Langzeitarbeitslosen für die nächsten sechs Monate entscheidet. Aber wie wollen mal nicht meckert. Bringt in der Endkonsequenz ja doch nichts, oder vielleicht doch?

Uns geht es im Vergleich zu manch anderen Länder doch verhältnismäßig gut. Fragt sich nur wie lange noch. Unsere Politiker, auch auf Europäischer Ebene, streiten sich um Dinge die sie weder verstehen können noch verstehen wollen, schmeißen mit allerlei Abkürzungen wie ESFS und ESM um sich in der Hoffnung eine davon wäre die ultimative Lösung.

Ein Rettungsschirm im Sixpack, Hebelwirkung und Europonds ? Ich versteh nur Bahnhof. Wenn ich es recht überlege, soll das wohl so sein. Verwirrte Bürger sind immer noch besser als wissende mit dem Hang zum Durchblick. Die ganze Welt steht im Moment ohnehin irgendwie Kopf, doch wen interessiert es? Nur die, welche sich auf die Straße bemühen und den Versuch unternehme etwas bewirken zu können. Nicht mal das funktioniert.

Kann ja auch nicht funktionieren, weil alle die sich derzeit auf die Straße bemühen im WIR –SIND – FUSSBALLWELTMEISTER – WAHNN befinden. Und das nur weil sich eine Brasilianische Fußballmannschaft im Halbfinale aus Nocken lassen hat. 7 : 1, was für ein Fall und was für ein Aufstieg. Argentinien als Gegner im Finale ist dagegen nur ein kleines Licht, werden viele denken, denn wer Brasilien so herausragend besiegt schaft den letzten Meter auch noch. Mal sehen. Fakt ist allerdings, dass alles andere per Tunnelblick gerade ausgeblendet wurde. König Fußball verklärt den Blick fürs wesentliche und das ist den Politikern doch gerade recht.

Die Menschen in Griechenland z. b bäumten in der Vergangenheit auf, auch jetzt noch, nur man hört davon nicht viel und für was? Natürlich für nichts. Während die ganze Welt über einer Schuldenkrise stöhnte griffen unsere Politiker in die steuerliche Märchentrickkiste und versuchten das heimische Volk zu beruhigen. Einige nennen es Politik, ich nenne es Ablenkungsmanöver.

Der Blick nach Griechenland, Spanien und die Wallstreet weckten damals wahrscheinlich unangenehme Gefühle in unseren Politgrößen.

Besonders interessant fand ich zu dieser Zeit Herrn Westerwelle, der sicherlich das Beste wollend, dem von Gaddafie befreiten Libyen, Hilfe anbot. Ja so sind unsere Politiker. Es ist gar nicht lange her als der Ex Machthaber Gadafie in der Gunst der meisten Politgrößen weit oben stand. Nun, muss man sich ganz schnell umorientieren, dem Volk Libyens seine Hilfe und mehr anbieten. Geschieht das nun aus reiner Nächstenliebe oder wegen der Erdölvorkommen?

Dem DAX geht es vergleichsweise gut, Libyen scheint befreit, Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy befand sich damals im Babyfieber und der Rest der Welt versucht das Wochenende zu umgehen oder irgendwie zu überstehen. Aus der Ukraine hört man nur noch leise Tönnchen.

Was geht in dieser Welt gerade vor sich frag ich mich. Die Medien sind und das deutsche Volk sind mit nichts anderem Beschäftigt als mit einem Ball und mehr als zwei Handvoll Rassenkasper. Ich werde es heute Frau Merkel gleich tun, alle unerledigten Dinge auf nächste Woche verschieben und mich ins wohlverdiente Wochenende begeben. Und das schon am Donnerstag.

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Jul 10

Umfeld für Kinder und Familien attraktiver gestalten

Bild © Diana Schmidtbauer

Bild © Diana Schmidtbauer

Das Zusammenleben im familiären Umfeld mit Kindern soll mit dem Ziel der Steigerung der Geburtenrate nachhaltig gefördert werden. Familie und Beruf müssen ohne Armutsrisiko lebenswert, finanzierbar und vereinbar sein. Dabei sind die Ressourcen aller gesellschaftlichen Schichten intensiv zu nutzen. hier

Begründung

In Deutschland muss der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung mit umfassenden und weitreichenden Maßnahmen entgegengewirkt werden. Der demografische Wandel als Prozess ist nicht unumkehrbar. Finanzielle Zuwendungen sind ein Instrument zur Steigerung der Geburtenrate, das aber nur nachhaltig wirkt, wenn das gesamte gesellschaftliche Umfeld familienfreundlich gestaltet wird.

Erst dann werden Familien, dabei vor allem die Frauen, sich nicht mehr zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen. Die Gründung einer Familie mit Kindern muss planbar, mit dem Beruf vereinbar und finanzierbar sein. In einer familienfreundlichen Atmosphäre wird das Miteinander der Generationen selbstverständlich und die Bedeutung der Existenz verschiedener Generationen offensichtlich. Ihre unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen können zum gegenseitigen Vorteil eingesetzt werden: Nur über diesen Weg kann eine stabile und zukunftsfähige demografische Entwicklung gesichert werden.

Vorschlag im Detail

Die politischen Entscheidungsträger auf allen Ebenen werden aufgefordert, entsprechende Rahmenbedingungen für die Gründung von Familien zu schaffen. Die Möglichkeiten der Kinderbetreuung müssen den Erfordernissen des Berufsalltags in Qualität und Quantität, oder, wo nötig, das Arbeitsrecht an die Erfordernisse der Kindererziehung angepasst werden. Rechtliche, versicherungstechnische und ideologische Schranken dürfen eigenverantwortlichen und kreativen Lösungsansätzen zur Kinderbetreuung nicht länger im Wege stehen. Insgesamt sind die Aufgabenbereiche der Jugendämter den Erfordernissen unserer Zeit anzupassen, um diese zu wirksamen Familienämtern zu machen. Ein Schwerpunkt hierbei ist die Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Familie, z. B. das Schaffen einer bürgerorientierten informationsplattform.

Alle Mitglieder der Gesellschaft haben die Verpflichtung, sich für Familien zu engagieren. Auch die freie Wirtschaft kann hierbei nicht ausgenommen werden. Es muss ein Umdenken hin zur demografischen Verantwortung als Teil unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses erfolgen. Bildungsmöglichkeiten für junge Mütter und Väter, insbesondere, aber nicht nur im Erziehungsurlaub, sind verbesserungswürdig. Die Erziehung eines Kindes darf nicht länger gleichbedeutend mit einem Karriereknick sein.

Studieren mit Kind sollte von der Ausnahme zur Regel werden, damit das Durchschnittsalter der Eltern in Deutschland wieder sinkt. Eine neue Auslegung des Generationenvertrages muss gefunden werden, in der die Generationen gemeinsam das demografische Erbe der letzten 40 Jahre tragen. Hierfür sind Möglichkeiten zur ehrenamtlichen oder teilweise ehrenamtlichen Hilfe zu schaffen, die es älteren Menschen ermöglichen, effektiv an der Gestaltung einer kinderfreundlichen Gesellschaft mitzuwirken. Dazu muss auch das Grundverständnis des Zusammenlebens von Jung und Alt neu definiert und auf gegenseitige Inanspruchnahme von Hilfe und Unterstützung ausgerichtet werden.

Pro und Contra

Pro: Sozial abgesicherte Arbeitnehmer sind leistungswilliger, höher motiviert und identifizieren sich stärker mit ihrem Unternehmen. Die berufliche und soziale Zukunft des einzelnen steht einem Kinderwunsch nicht im Wege. Soziale Spannungen lösen sich, wodurch auch Erscheinungen unserer Gesellschaft wie Alkoholismus, Drogenkonsum und häusliche Gewalt abnehmen. Insgesamt würde eine Stabilisierung des sozialen Gefüges eintreten, dessen Folgen noch nicht benannt werden können. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie steht in direktem Bezug zu Art. 6 Abs. 2 des Grundgesetzes.

Contra:

Auf die Arbeitgeber kämen zusätzliche Kosten zu, die im schlimmsten Falle Investitionen verhindern könnten. Der organisatorische Aufwand ist recht hoch und verursacht Kosten, die nicht direkt bei den Familien ankommen. Es müssen Gesetzesgrundlagen für die Ausführung und die Finanzierung geschaffen werden. Die Erfolge werden in naher Zukunft nicht messbar sein. Letztlich bleibt die Finanzierbarkeit selbst als Gegenargument.

Umsetzung

Die vom Staat zu schaffenden Rahmenbedingungen müssen von denen eingefordert werden, die Familie haben oder gründen wollen. Politisches umdenken hin zu einer humanen, kinder- und familienfreundlichen Politik muss die Folge dieser Forderungen sein.
Ein Mindestlohn muss für alle Bereiche unter Berücksichtigung flexibler Arbeitszeitmodelle eingeführt werden, Zeitarbeit eingeschlossen. Kinderbetreuung bei freiwilliger Weiterbildung muss möglich gemacht werden. Ganztagsbetreuung von Kindern in Kindereinrichtungen und Schulen muss bezahlbar werden.

Schulspeisung, Schulbücher und Arbeitsmittel sind kostenlos bereitzustellen. Freier Eintritt in kulturelle Einrichtungen und Sportstätten. Ab einer bestimmten Größe des Unternehmens oder der Innung sind Betriebskindergärten oder eine Beteiligung an einem solchen zur Pflicht zu erheben. Vermittlung und Bezuschussung durch die Agentur für Arbeit muss soziale Aspekte mehr in den Mittelpunkt stellen.

Dieser Text entstand während des Bürgerforums 2011 im Ausschuss Demografie.
Autor: Diana Schmidtbauer
Autor: BürgerForum 2011