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Jul 10

Wer hat den Durchblick ?

Grafik © Diana Schmidtbauer

Grafik © Diana Schmidtbauer

Donnerstagmittag, ich bin geneigt den Stift aus der Hand zu legen. Das Wochenende naht mit riesigen Schritten. Eine Woche voller Emotionen, erledigter und unerledigter Aufgaben, Freude und Leid.

Manchmal hab ich das Gefühl die Zeit schreitet nicht, sondern rast schneller als ein ICE. Ok, die ICE s der Bahn sind im Vergleich dazu eher lahm. Die Bahn wird wohl wie immer pünktlich ihre Preise erhöhen. Warum eigentlich ? Die Züge werden nicht schneller und der Service nicht besser. Wird wohl an der herangaloppierenden oder eher bereits bestehenden Inflation liegen oder den mehr als unsicheren Zeiten. Prophylaktisch werden der Einfachheit halber die Preise erhöht. Und das nicht nur bei der Bahn.

Der kürzlich beschlossene Hungerlohn, sorry Mindestlohn von 8,50 Euro schafft diese sicher auch ganz bequem. Das Resultat des Wochenendeinkaufes treibt mittlerweile den meisten Krokodils Tränen in die Augen. Der Korb halb leer und ebenso das Portemonnaie. Aber wir wollen uns mal nicht beschweren. Immerhin bekommen ein paar wenige etwas vom durchgeprügelten Mindestlohn ab. Natürlich nicht die welche sich ein halbes Jahr in diversen Unternehmen abmühen um abschließend in die Mindestlohnausnahmenfalle zu rutschen.

Diese besagt, dass wer Langzeitarbeitslos ist, und das Wort wird wohl bald neu definiert, erst nach sechs Monatigen Kennenlernens im Unternehmen einen Mindestlohn erhält. Zu dumm, das viel Unternehmen sich dann doch für den nächsten Langzeitarbeitslosen für die nächsten sechs Monate entscheidet. Aber wie wollen mal nicht meckert. Bringt in der Endkonsequenz ja doch nichts, oder vielleicht doch?

Uns geht es im Vergleich zu manch anderen Länder doch verhältnismäßig gut. Fragt sich nur wie lange noch. Unsere Politiker, auch auf Europäischer Ebene, streiten sich um Dinge die sie weder verstehen können noch verstehen wollen, schmeißen mit allerlei Abkürzungen wie ESFS und ESM um sich in der Hoffnung eine davon wäre die ultimative Lösung.

Ein Rettungsschirm im Sixpack, Hebelwirkung und Europonds ? Ich versteh nur Bahnhof. Wenn ich es recht überlege, soll das wohl so sein. Verwirrte Bürger sind immer noch besser als wissende mit dem Hang zum Durchblick. Die ganze Welt steht im Moment ohnehin irgendwie Kopf, doch wen interessiert es? Nur die, welche sich auf die Straße bemühen und den Versuch unternehme etwas bewirken zu können. Nicht mal das funktioniert.

Kann ja auch nicht funktionieren, weil alle die sich derzeit auf die Straße bemühen im WIR –SIND – FUSSBALLWELTMEISTER – WAHNN befinden. Und das nur weil sich eine Brasilianische Fußballmannschaft im Halbfinale aus Nocken lassen hat. 7 : 1, was für ein Fall und was für ein Aufstieg. Argentinien als Gegner im Finale ist dagegen nur ein kleines Licht, werden viele denken, denn wer Brasilien so herausragend besiegt schaft den letzten Meter auch noch. Mal sehen. Fakt ist allerdings, dass alles andere per Tunnelblick gerade ausgeblendet wurde. König Fußball verklärt den Blick fürs wesentliche und das ist den Politikern doch gerade recht.

Die Menschen in Griechenland z. b bäumten in der Vergangenheit auf, auch jetzt noch, nur man hört davon nicht viel und für was? Natürlich für nichts. Während die ganze Welt über einer Schuldenkrise stöhnte griffen unsere Politiker in die steuerliche Märchentrickkiste und versuchten das heimische Volk zu beruhigen. Einige nennen es Politik, ich nenne es Ablenkungsmanöver.

Der Blick nach Griechenland, Spanien und die Wallstreet weckten damals wahrscheinlich unangenehme Gefühle in unseren Politgrößen.

Besonders interessant fand ich zu dieser Zeit Herrn Westerwelle, der sicherlich das Beste wollend, dem von Gaddafie befreiten Libyen, Hilfe anbot. Ja so sind unsere Politiker. Es ist gar nicht lange her als der Ex Machthaber Gadafie in der Gunst der meisten Politgrößen weit oben stand. Nun, muss man sich ganz schnell umorientieren, dem Volk Libyens seine Hilfe und mehr anbieten. Geschieht das nun aus reiner Nächstenliebe oder wegen der Erdölvorkommen?

Dem DAX geht es vergleichsweise gut, Libyen scheint befreit, Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy befand sich damals im Babyfieber und der Rest der Welt versucht das Wochenende zu umgehen oder irgendwie zu überstehen. Aus der Ukraine hört man nur noch leise Tönnchen.

Was geht in dieser Welt gerade vor sich frag ich mich. Die Medien sind und das deutsche Volk sind mit nichts anderem Beschäftigt als mit einem Ball und mehr als zwei Handvoll Rassenkasper. Ich werde es heute Frau Merkel gleich tun, alle unerledigten Dinge auf nächste Woche verschieben und mich ins wohlverdiente Wochenende begeben. Und das schon am Donnerstag.

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